Die Identifikation des Geruchs ist ein Lernprozess
Für welche Gerüche die Nase nun hochsensibel ist, hängt von den gespeicherten Sinneseindrücken ab. Das heißt, ob die verschiedenen Geruchsstoffe in geringsten Konzentrationen erkannt und unterschieden werden können, hängt von den jeweiligen Bedürfnissen der Tierart ab. So sind, z. B. Fruchtformen, für den Hund unbedeutend, der Geruchssinn ist dafür nur wenig ausgeprägt. Fettsäuren hingegen, als Bestandteil der meisten Beutetierfährten, sind für Hunde von großer Relevanz. Für Buttersäure z. B. ist der Hund bedeutend
empfindlicher, als der Mensch. Zur Wahrnehmung von Buttersäure, benötigt der Mensch, in 1.000 cm³ Luft mindestens 1 mg Buttersäure. Der Hund hingegen kann 1 mg Buttersäure noch in 1 Milliarde cm³ Luft wahrnehmen. Der Wahrnehmungsraum des Menschen, entsprich nur der Größe eines Schuhkartons, der des Hundes einer großen Halle. Im Gehirn eines deutschen Schäferhundes z. B., befinden sich bis zu 50mal mehr spezialisierte Gehirnzellen für die Entschlüsselung von Gerüchen, als beim Menschen!
Die Schwellen
Ob ein Geruch wahrgenommen wird, hängt außerdem von der individuellen Schwelle ab. Der niedrigste Schwellenwert einer Geruchssubstanz, der jemals von einem Hund aufgespürt wurde, liegt bei 500 Teilchen der Substanz Dimethyldinitrobutan (Marker für bestimmte Sprengstoffe), pro eine Trillion Luftteilchen. Die unterschiedlichen Schwellen werden im Folgenden, anhand von menschlichen Beispielen erklärt, da diese so bedeutend einfacher verständlich gemacht werden können.
Bei der Wahrnehmungsschwelle wird ein unbestimmter, flüchtiger Geruch aufgenommen, das heißt, es riecht nach etwas. Bei der Erkennungsschwelle, wird bereits der spezielle Geruchscharakter erkannt, das heißt, es riecht nach ........... ...... Abstand zwischen Wahrnehmungs- und Erkennungsschwelle, hängt davon ab, welche Bedeutung der betreffende Geruch, für den Hund hat. Die Aufmerksamkeitsschwelle kann durch Konditionierung (Lernen), herabgesetzt werden. Einem Geruch, mit dem nichts positives oder negatives verbunden wird, wird keine Bedeutung beigemessen. Er wird nicht so schnell registriert.
Kommentar: Das ist der Grund, warum man mit einem Mantrailer sehr viel trainieren
und üben muss. Und hierbei müssen wir den Hund überlisten! Deshalb brauchen wir beim “Ansatz” ein separates Kommando. Der Hund wird mit der Zeit beim Training lernen, dass das Kommando (z.B. riech) damit verbunden ist, dass er nun den Geruch aufnimmt, der ihn zu seinem “Jackpot” führt! Er soll und muss also lernen, dass er diesem speziellen Kommando etwas positives zuordnet! Dies deshalb, weil der angebotene Vergleichsgeruch ständig wechselt, aaaber das Kommando zum Aufnehmen des Geruchs bleibt IMMER das gleiche! Könnte ein Hund logisch denken, wäre alles kein Problem, so müssen wir aber die Schritte für ihn verkleinern. Er wird irgendwann dem 2. Kommando (z.B. such), das wir zur Aufforderung zum Suchen des soeben erhaltenen Vergleichsgeruchs verwenden und der anschließenen “Suche”, ebenfalls die positive Bedeutung, also seinen Jackpot, zuordnen! Wenn dieser, nicht gerade kleine Schritt, im Hirn des Hundes vollzogen ist, erst dann beginnt das Heranführen des Hundes an schwierige Gelände, andere Geruchsträger, weitere Strecken, ältere Spuren usw., also die Feinarbeit! (./.)
Die Adaption/Gewöhnung
Das Riechen unterliegt der Gewöhnung, das heißt, die Schwelle steigt herauf, Gerüche werden bei Dauerreiz nicht mehr in Impulse umgewandelt und daher nicht mehr registriert. Beim Menschen dient dies mitunter dazu, dass intensive Gerüche in den Hintergrund gedrängt werden und man andere schwächere Gerüche wahrnehmen kann. Um die Gewöhnung zu umgehen, atmet der Hund beim Schnuppern in Schnüffelstößen (bis zu 180mal in der Minute!). Hierbei macht er kleine Pausen, welche das Gewöhnungsphänomen verringern. Die Atemfrequenz verändert sich dabei. Ist ein Geruch schwer zu differenzieren, werden die Schnüffelperioden länger und die Atmung erfolgt durch das Maul. Zum intensiven Spüren, ist Schnüffeln notwendig (Verringerung der Gewöhnung), die normale Atmung wird dazu herabgesetzt.
Hitze und Anstrengung, bewirken vermehrtes Hecheln, dadurch ist weniger Nasenarbeit möglich. Durch das ständig produzierte Drüsensekret werden die Geruchspartikel verdünnt und ausgespült. Einer Schnüffelphase folgt nicht selten ein nasales Schnauben oder ein heftiges Kopfschütteln, um diesen Abtransport zu beschleunigen.
Für eine gute Geruchsleistung ist eine feuchte Nase notwendig! Bei ausgetrockneten Schleimhäuten, können Geruchsmoleküle schlecht gebunden werden, das Freispülen ist durch verhinderte Sekretion reduziert, die Moleküle können, nicht gut transportiert werden.
Bei einer längeren Suche, bei hohen Temperaturen oder bei Wind, muss dem Hund öfter einmal Wasser zum Trinken angeboten werden, um den Feuchtigkeitsgehalt der Riechschleimhäute aufrecht zu erhalten.
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